Unser Kurs "Sterbende begleiten lernen"

Der Sylter Hospizverein bietet in der Regel alle zwei Jahre einen neuen Kurs zur Ausbildung als Hospizbegleiter*in an. Er wird gestaltet nach dem "Celler Modell zur Vorbereitung Ehrenamtlicher in der Sterbebegleitung", Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2004, HSG. Elke Schölper.

A) Allgemeines

Anmeldungen zu dem Kurs (Interessentenliste) nimmt der Sylter Hospizverein e.V. unter der Tel-Nr.: 04651/299960 entgegen. Interessierte werden zu einem ersten Informationsabend eingeladen.
Auskünfte erteilen Kursleiter Bernd Redlin (Tel. 04651-299960) und die Koordinatorin Ulrike Körbs (Tel. 04651-927684). Der Kurs ist kostenlos. Nach Abschluss des Kurses werden die TeilnehmerInnen – wie sie es mit ihrer persönlichen Situation vereinbaren können - in der Begleitung Schwerstkranker und ihrer Angehörigen und (nach Fortbildung) in der Trauerbegleitung eingesetzt. Sie verpflichten sich in der Regel für ein Jahr zur ehrenamtlichen Arbeit als HospizbegleiterIn. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter*Innen sind für ihren Einsatz durch den Verein versichert. Auslagen, Fahrtkosten etc. werden erstattet.

Einmal im Monat treffen sich alle HopizbegleiterInnen unter der Leitung eines/r Kursleiters*in zu Fallbesprechungen, gegenseitiger Beratung und Fortbildung. Dieser Abend ist verpflichtend und dient der weiteren Arbeit an Inhalten und der eigenen Person, der gegenseitigen Wahrnehmung und der Qualitätssicherung der Arbeit. Für regelmäßige Fortbildung durch Vorträge und spezielle Seminare, an denen die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen in der Regel kostenfrei teilnehmen, ist gesorgt. Der Einsatz der Hospizbegleiter*Innen wird von der Koordinatorin geleitet und begleitet. Die Einsätze werden dokumentiert und statistisch erfasst und in der Jahresversammlung des Vereins veröffentlicht und mitgeteilt.

Der Sylter Hospizverein e.V. beteiligt sich an der Gesamtstatistik des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes e.V. und seiner Landesarbeitsgemeinschaften. Alle Daten werden anonymisiert.

B) Voraussetzungen zur Teilnahme am Ausbildungskurs zum/r Hospizbegleiter*In im Sylter Hospizverein e.V.

In der Begleitung Schwerstkranker und ihrer Angehörigen gehen wir mit den grundlegenden existenziellen Fragen des menschlichen Lebens und Sterbens um. Die Hospizbegleiter*Innen begleiten und betreuen Schwerstkranke und deren Angehörige und nehmen dabei auch am alltäglichen Leben der Schwerstkranken und ihrer Familie teil. Sie geben den Sterbenden Zuwendung und zeigen so, dass sterbende Menschen und deren Angehörige zu uns und unserer Gesellschaft gehören. Sie sind offen für Wünsche und Bedürfnisse der Betroffenen und übernehmen bei der Begleitung eine große Verantwortung. Sie erfahren in der Begleitung der betroffenen Menschen außerordentlich Bereicherndes, Erfüllendes und Befriedigendes. Auf der anderen Seite sind sie aber auch schwierigen Situationen, Krisen und Beziehungen ausgesetzt.

Daher sollten die Kursteilnehmer*Innen neben einer großen Sensibilität auch über ein hohes Maß an Belastbarkeit verfügen. Es ist wichtig, dass die Menschen, die eine solche Aufgabe übernehmen, sorgfältig ausgesucht werden, bzw. dass sie sich selbst prüfen, ob sie dieser Aufgabe gewachsen sind. Dem dienen die Gespräche mit den Kursleiter*Innen zu Beginn und am Ende der Ausbildung.

Wir bieten an:

  • einen in sich geschlossenen und in seinen Schritten aufeinander aufbauenden Kurs

  • einen Lernprozess in der Gruppe für den Einzelnen

  • einen geschützten Raum, in dem Gefühle, Erinnerungen, Ideen, Eindrücke etc. ihren Platz haben und Vertrauen wachsen kann

  • die Gruppe als tragfähige Gemeinschaft

  • eine Auseinandersetzung mit der eigenen Biographie, der eigenen Spiritualität, aber auch Schwerem in unserem Leben

  • eine umfangreiche Sammlung an schriftlichem Lehr-und Lernmaterial innerhalb und nach der Schulung Fortbildungen, Seminare, Vorträge und Unterstützung vielfältiger Art.

 

Wir erwarten von den Kursteilnehmer*Innen, dass sie

  • sich auf das Leitbild der Hospizarbeit einlassen

  • sich mit sich selbst auseinanderzusetzen

  • sich der Praxis begleitenden Reflexion stellen

  • sich auf das Lernen in der Gruppe einlassen (Partner- und Kleingruppenarbeit)

  • regelmäßig und verbindlich an den Gruppenabenden teilnehmen

  • die Idee der Hospizarbeit offensiv vertreten

  • an den Veranstaltungen und Aktionen des Sylter Hospizvereins e.V. teilnehmen

  • offen sind für eine gemeinsam getragene Entscheidung über eine Mitarbeit im Hospizbegleitdienst bei Abschluss des Kurses.

C) Schema der Ausbildung

A) Struktur und Inhalte des Grundkurses (8/9 Abende)

Schritt 1 – wahrnehmen, wahrnehmen – was ist – in der Gruppe, bei mir, bei den anderen
Schritt 2 – mitgehen, jemanden begleiten – sich auf das Tempo, auf seine Schritte einlassen
Schritt 3 – zuhören, zuhören – aktiv zuhören und merken, worum es geht
Schritt 4 – verstehen, verstehen – auch was hinter den konkreten Worten steckt
Schritt 5 – weitergehen, wir treffen auf einen Menschen und begleiten ihn weiter, es wird ein gemeinsamer Weg
Schritt 6 – bleiben, wann bleiben wir, wann gehen wir; wann ist die Begleitung noch notwendig, wann kann ich mich verabschieden
Schritt 7 – loslassen, wann können/müssen wir loslassen
Schritt 8 – aufstehen, am Ende ist ein Mensch gestorben, unsere Wege haben sich getrennt, wir müssen aufstehen

B) Praktikum

Nach dem Grundkurs  gehen die TeilnehmerInnen in ein halbjähriges Praktikum. Die Praktikumsplätze werden uns in der Regel von den Alten- und Pflegeheimen der Insel zur Verfügung gestellt. Eine Praktikumsbegleitung in der Klinik  ist wegen der kurzen Liegezeiten nicht sinnvoll.

Die Begleitung sollte 2 Stunden wöchentlich umfassen. Einmal im Monat treffen sich die Teilnehmer*Innen verpflichtend zum Austausch und Besprechen der Besuchsprotokolle und zur thematischen Weiterbildung. In der Regel bitten wir die Alten- und Pflegeheime um eine Einheit "Ein kurzer Blick in die Pflege" mit praktischen Übungen, damit sich die Kursteilnehmer*Innen mit Grundlagen der Pflege vertraut machen können.

C) Schema und Inhalt des Vertiefungskurses

Schritt 1 - gerufen:  Was/Wer ruft uns in eine bestimmte Situation, veranlasst uns etwas zu tun?
Schritt 2 - gefragt: In der Sterbebegleitung sind wir nach unseren Möglichkeiten und Ressourcen gefragt.
Schritt 3 - bedacht: Wer sind wir? Was "lähmt" uns? Wem geben wir uns zu erkennen bzw. können wir uns zu erkennen geben?
Schritt 4 - gelöst: Was ist Befreiung? Wer kann Lasten von uns nehmen? Wie können wir Entlastung gewähren?
Schritt 5  - gedeutet: Wie deuten wir, was geschieht? Vor welchem Hintergrund verstehen wir einen anderen Menschen, versteht er sich selbst?
Schritt 6 - begrenzt: Auf welche Grenzen stoßen wir bei uns und bei anderen - und wie gehen wir mit ihnen um?
Schritt 7 - entdeckt: Wir ent-decken was verdeckt - bei uns und anderen
Schritt 8 - bewegt:Was bewegt uns am Ende des Kurses - am Ende einer Begleitung?

Quellen:
Elke Schölper,( Hg.) Sterbende begleiten lernen, Gütersloh 2004, Hospizverein Bergstraße e.V.
Quellen: Elke Schölper, (Hsg.) Sterbende begleiten lernen, Gütersloh 2004, Hospizverein Bergstraße e.V. (http://www.hospiz-verein-bergstrasse.de)